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22. September 2010

 

 
 
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Friedrich Schorlemmer zieht Bilanz

Friedensgespräch zum 20. Jahrestag Tag der Deutschen Einheit

»"Dass ein gutes Deutschland blühe ...« - so lautet eine Verszeile in Bertold Brechts 1950 verfasstem Gedicht »Kinderhymne«. Am Sonntag, den 3. Oktober 2010, 11 Uhr, wird unter diesem Motto der Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer im Ratssitzungssaal des Rathauses den Festvortrag zum 20. Jahrestag Tag der Deutschen Einheit halten. Stadt, Universität und Landkreis laden gemeinsam zu dieser Veranstaltung ein.

Brechts Gedicht entstand als kritischer Kommentar zur kurz zuvor getroffenen Bestätigung des »Deutschlandliedes« als Hymne auch der jungen Bundesrepublik, wenn auch bei offiziellen Anlässen nur dessen 3. Strophe gesungen werden sollte. Nach 1990 setzten sich Bürgerinitiativen für die Kinderhymne als neue deutsche Nationalhymne ein, und Bundestags-Alterspräsident Stefan Heym zitierte sie bei der feierlichen Eröffnung des Parlaments im November 1994.

Mit dem Sprechchor »Wir sind das Volk« fanden 1989 die Demonstranten in der damaligen DDR ihre eigene Hymne. Der Massenprotest erzwang die Öffnung der Berliner Mauer und schließlich den Fall des SED-Regimes. Über das Ob und das Wie einer staatlichen Einheit mit der Bundesrepublik gab es heftige Diskussionen. Heute wird der eingeschlagene Weg in Ost- und Westdeutschland, bei unseren europäischen Nachbarn und weltweit kaum mehr in Frage gestellt. Erreichte Freiheiten und erworbener Lebensstandard, vor allem aber eine weltpolitische Entwicklung, die den Kalten Krieg und den Ost-West-Konflikt beendete, lassen den Wunsch nach »blühenden Landschaften«, wie sie Bundeskanzler Kohl versprach, in mancher Hinsicht als eingelöst erscheinen.

Friedrich Schorlemmer, 1989 Mitbegründer der Bewegung »Demokratischer Aufbruch« in Dresden, sieht indessen - zwanzig Jahre nach Inkrafttreten des Einigungsvertrages, der den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik besiegelte - den Einigungsprozess als nicht abgeschlossen:

»Neben allem Erblühen des Ostens dürfen wir um der gemeinsamen Zukunft unseres vereinigten Vaterlandes nicht die Augen davor verschließen, dass ganze Stadtteile - etwa im Leipziger Osten - vor sich hin gammeln oder dass weiter jüngere Menschen scharenweise in den Westen abwandern. Dieser gerade so wunderbar aufgebaute Osten wird mittelfristig veröden, wenn es nicht eine langfristige Strukturpolitik gibt.«

Der 1944 in Wittenberge geborene Schorlemmer studierte Theologie in Halle und wurde anschließend Studieninspektor in den Franckeschen Stiftungen und Vikar in Halle. Von 1971 bis 1978 war er Jugend- und Studentenpfarrer in Merseburg. Als Dozent am Evangelischen Predigerseminar und Prediger an der Schlosskirche wirkte er bis 1992 in Wittenberg, wo er bis 2007 Studienleiter der Evangelischen Akademie war. Als Publizist ist Schorlemmer Mitglied im deutschen P.E.N.-Zentrum, Mitherausgeber des FREITAG und der Blätter für deutsche und internationale Politik sowie Beirat der Zeitschrift Universitas. 1989 wurde Schorlemmer die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte verliehen, 1993 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Die Gesprächsleitung hat Prof. Dr. Roland Czada, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates der Friedensgespräche.

 
Unterstützt vom Förderkreis Osnabrücker Friedensgespräche e.V.