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30. März 2010

 

 
 
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Sind Computerspiele "Spielverderber"?

Friedensgespräch über Neue Medien und Jugendgewalt

Jeder neue Amoklauf an einer Schule wirft die Frage wieder auf: Sind Killerspiele am Computer schuld daran? Auch Wissenschaftler warnen, der häufige Aufenthalt in digitalen Parallelwelten führe zu Fehlentwicklungen und könne die Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher fördern. Im Rahmen des ersten Osnabrücker Friedensgesprächs dieses Jahres laden Stadt und Universität zu Mittwoch, 7. April 2010, 19 Uhr, in den Ratssitzungssaal des Rathauses, um in dem kontroversen Thema begründbare Positionen zu beziehen.

»Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in Deutschland eine absolute Geisterdebatte führen, die am Kern der Sache deutlich vorbei geht«, sagt dazu der Gründer eines der erfolgreichsten deutschen Spieleherstellers, der Turtle Entertainment GmbH aus Köln, Alexander T. Müller. Der 34-jährige studierte Volkswirtschaftler ist heute Managing Director des »e-Sport-Teams SK Gaming«, einer internationalen Spielervereinigung. Müller hält wenig von Verboten, die nicht durchsetzbar seien. Er möchte dagegen »den verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium Computerspiel vorleben und auch anderen zu einem kritischen Umgang verhelfen«, wie er auf einer Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung zitiert wird.

Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover, unterstreicht dagegen, dass es »Aufgabe des Staates sei, einmal Flagge zu zeigen und Spiele wie etwa ›Der Pate‹, das bei uns ab 18 Jahren frei gegeben ist, strafrechtlich zu verbieten«. Darüber hinaus gebe es »eine Fülle von etwas weniger gewaltorientierten Spielen, bei denen wir davon ausgehen, dass sie schädliche Wirkung auf Kinder und Jugendliche entfalten.« Diese Spiele müssten indiziert werden, geeignete Altersbeschränkungen und Werbeverbote seien sinnvoll. Werde ein Spiel verboten oder indiziert, bleibe der Bekanntheitsgrad niedrig. Man mache damit »der Industrie klar, dass sie sich auf ein risikoreiches Gelände begibt, wenn sie extrem gewalthaltige Spiele produziert«. Die Industrie riskiere »massive Gewinneinbrüche bis hin zu Verlusten«, so Pfeiffer im Vorfeld einer Expertenanhörung im Bundestag.

Auch folgenden Fragen soll nachgegangen werden: Ist es richtig, dass in Spielen vom Typ »Ego-Shooter« nur das Gesetz des Stärkeren gilt, und dass Gewalt das Mittel der Wahl ist? Und was geschieht mit der Fähigkeit des Menschen zum Mitleiden, zur Empathie? Schließlich: Was ist eigentlich der Reiz der Computerspiele? Können Spieler hier besorgten Nicht-Spielern überhaupt Antworten geben?

Das Friedensgespräch soll dazu dienen, in dieser teils hitzigen Debatte gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen und möglichst konkrete Handlungsschritte zu beschreiben. Die Leitung haben die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Beate Wischer und der Theologe Prof. Dr. Reinhold Mokrosch, beide Universität Osnabrück.

 

 

 
Unterstützt vom Förderkreis Osnabrücker Friedensgespräche e.V.