Presseinformation, 11. Juli 2002
Bio-Ethik und Bio-Politik: Friedensgespräch mit Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin

Die Erforschung embryonaler menschlicher Stammzellen steht im Blickpunkt der Öffentlichkeit, seit sich die Möglichkeit einer kontrollierten Menschenzüchtung abzeichnet. Die Selektion ›brauchbarer‹ von unbrauchbaren Embryonen scheint gegen das Lebensrecht jeden menschlichen Lebens zu verstoßen, das mit der Befruchtung der Eizelle seinen Anfang genommen hat.

Bio-ethische Fragen an den Grenzen des Lebens sind Thema eines Osnabrücker Friedensgesprächs am Dienstag, den 16. Juli 2002, 19 Uhr, im Rathaus der Stadt. Zu Gast sein wird Bundesjustizministerin Professor Dr. Herta Däubler-Gmelin, die zu den profiliertesten Kritikern eines unbedachten Aufbruchs in die gentechnische Moderne der Reproduktionsmedizin zählt. Ihr zu Ehren lädt die Stadt ab 18.30 Uhr außerdem zu einem Empfang in den Friedenssaal ein.

Wissenschaftler wie zuletzt der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, bemängelten dagegen am jüngst beschlossenen Einfuhrverbot für embryonale Stammzellen die Strafandrohung bei Gesetzesverstößen, die deutschen Wissenschaftlern die Arbeit nicht nur hierzulande, sondern auch in ausländischen Gentechnik- Laboren unmöglich mache. Die Freiheit der Forschung sowie die Verpflichtung, nach den Möglichkeiten des Helfens und Heilens zu suchen und die Ressourcen der Forschung voll auszuschöpfen, müsse gewährleistet werden, damit die deutsche Wissenschaft nicht international ins Hintertreffen gerate.

Prof. Dr. jur. Herta Däubler-Gmelin wurde 1998 zur Bundesministerin der Justiz berufen. Geboren 1943 im heutigen Bratislava/Slowakei, studierte sie Geschichte, Volkswirtschaft, Recht- und Politikwissen-schaften in Tübingen und Berlin. 1972 wurde sie in den Bundestag gewählt. Dort war sie seither u.a. Vorsitzende des Rechtsausschus-ses. Die FU Berlin, wo sie seit 1992 am Otto-Suhr-Institut Lehrveranstaltungen hält, ernannte sie 1995 zur Honorarprofessorin.